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Dienstag, 25. Oktober 2016

Früher oder später wird der Dschungel von Calais wieder zurück sein - und die britische Linke kann es kaum erwarten

Dchungel von Calais: Wie Herpes, kommt auch immer wieder.

Von Nicholas Farrell für www.Spectator.co.uk, 25. Oktober 2016

Die massive Operation mit 1.200 französischen Bereitschaftspolizisten und Gendarmen, um die Migranten im Dschungel von Calais in andere Empfangszentren in Frankreich zu bringen und um das illegale Lager abzureissen hat nun endlich begonnen. Halleluja.

Man möchte denken, dass der Abriss dieser verbrechensgeplagten und rattenverseuchten Barackensiedlung, in der bis zu 10.000 hauptsächlich afrikanische und afghanische Migranten ohne fliessend Wasser oder Elektrizität in Hütten und Zelten leben, eine gute Nachricht ist. Immerhin werden diese armen Migranten nun ein ordentliches Dach über dem Kopf haben, wenn sie dann endlich beim französischen Staat Asyl beantragen, was sie laut Gesetz auch schon längst hätten machen müssen. Aber nein.

Stattdessen sind die britische Linke und die französische Rechte vereint in einer unheiligen Allianz der Empörten: Wie kann Francois Hollande nur so etwas zulassen! Großbritannien, nicht Frankreich muss die Migranten aus Calais aufnehmen - sie bestehen darauf - weil "das der Ort ist, wo sie hin möchten".

Noch aber ist der Zutritt nach Großbritannien kein Menschenrecht. Und die Gesetzeslage - jedenfalls jene für echte Flüchtlinge, die tatsächlich auf der Flucht in einem sicheren Land sind - ist klar. Flüchtlinge müssen entweder im ersten EU Land Asyl beantragen, in dem sie ankommen, oder aber, falls das nach fünf Monaten in der EU nicht geschehen ist, dann müssen sie den Antrag im Land ihres Aufenthalts stellen. Im Fall vieler der Dschungelmigranten wäre das Italien, Griechenland - oder eben Frankreich. Aber nicht Großbritannien.

Es gibt ein paar Ausnahmen: Nach der neuesten Vereinbarung zur EU Dublin Regel können jene mit Verwandschaft in einem EU Land von einem anderen EU Land aus dort einen Asylantrag stellen. Aber sie müssen dann auch so lange in diesem Land bleiben, bis ihr Antrag durch ist. Es genügt aber auch nicht zu sagen, einen Onkel in Birmingham zu haben. Sie müssen es nachweisen. Hinzu kommt noch, dass die Regierung sich vorgenommen hat, unbegleitete Flüchtlingskinder aufzunehmen.

Diese Gruppe unbegleiteter Minderjähriger aber macht nur einen kleinen Teil des ganzen aus. Und würden alle der 10.000 Dschungelbewohner über den Kanal gebracht werden, dann bräuchten die linksgrüne Truppe aus Islington [sowas wie Neukölln/Kreuzberg in London, d.R.] und ihre blauen Verbündeten in Frankreich (Nicolas Sarkozy und Alain Juppe) das Lager noch eine Weile - also zumindest bis zu den französischen Präsidentschaftswahlen im nächsten Frühling. Ohne dieses hochtrabende Symbol "unserer" kalten Gleichgültigkeit nämlich würde ihr Utopia, ihre Bewegung in sich zusammenfallen.

Daher haben die britische Linke und die französische Rechte es so dargestellt, als wäre der Dschungel eine Art Robinson Urlaubsclub. Clare Moseley, die Mitgründerin von Care4Calais verglich die französische Operation im Dschungel und das Zusammenscheuchen der Migranten mit dem Umgang der Nazis mit den Juden (auch wenn sie sich später dafür entschuldigte).

Eine Reihe von Hilfsorganisationen stellte sogar die Rechtmässigkeit der Entfernung des Dschungels in der französischen Hafenstadt in Frage. Saira Grant, die Leiterin von The Joint Council for the Welfare of Immigrants [Der runde Tisch für das Wohlergehen von Einwanderern, d.R.] sagte, dass die "ausschliessliche Konzentration" auf Kinder im Dschungel eine "künstliche Trennung erzeugt, die den Eindruck entstehen lässt, dass andere, die vor Krieg, Greueltaten und Verfolgung flohen es nicht wert sind, dass ihnen geholfen wird, nur weil sie Erwachsene sind."

Schön zusammengefasst wird das Gruppendenken aus dieser Ecke in einem Kommentar von einem "Remain Man" [Drinne bleiben Mann - eine Anspielung auf die Seite der EU Befürworter beim Brexitreferendum, d.R.], der gestern auf der Internetseite der Daily Mail schrieb:


"Es ist absolut infam, das Lager abzureissen. Diese armen, unschuldigen Flüchtlinge, die aus Kriegsgebieten fliehen. Sie brauchen unsere Hilfe. Wenn Frankreich wirklich so grausam ist, dann öffnet die Grenze und lasst sie nach GB, damit wir uns um diese armen Menschen kümmern können."

Und die französische Seite dieser Entente? Sie sind unerschütterlich: Die Migranten sind kein französisches Problem, sondern ein britisches und ihre Verlegung in die Empfangszentren, von denen sich viele in ländlichen Gebieten befinden, ist ein Angriff auf La France Prodonde [=Hinterland, d.R.] und ein Verrat an der Republik. Die Migranten wollen natürlich nicht nach La France Profonde, sie wollen nach Großbritannien. Und Calais ist nunmal der beste Ort, wo man sich auf LKWs und in Autos verstecken kann, die auf dem Weg nach Dover sind.

Zwei Drittel der Migranten - so jedenfalls eine kürzliche Umfrage einer Hilfsorganisation - sagen, dass sie sich weigern werden, den Dschungel zu verlassen. Laut französischer Polizei sind bereits etwa 200 britische Anarchisten von "No Borders" eingetroffen, um ihnen dabei zu helfen. Bislang gab es nur wenig Gewalt. Aber es ist auch erst der Anfang.

Jene, die sich weigern, den Dschungel zu verlassen werden verhaftet, meint die Polizei, allerdings bleibt keiner der Migranten lange im Gefängnis. Sie sagen auch, dass wenn sie erst einmal in den Empfangszentren sind müssen die Migranten Asyl beantragen, was eine unbekannte Zeit dauern wird. Andernfalls werden sie abgeschoben. Die wenigsten wurden es bereits. Früher oder später wird der Dschungel wohl wieder da sein. Das wird wirklich eine phantastische Nachricht werden. Für die britische Linke und die französische Rechte.


Im Original: Sooner or later, the Calais ‘Jungle’ will be back – and the British left can’t wait

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